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Die Jugend liegt ihm am Herzen

Aktualisiert: 1. Apr 2019


Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist Jiri Zavadil eine Institution beim TC Friedberg. Er hat schon so manches Talent zur Entfaltung gebracht

VON PETER KLEIST (Augsburger Allgemeine / 13.09.2018)


Zum Zeitpunkt dieses Sommergesprächs ist der Sommer 2018 kalendarisch schon vorbei – und auch wettertechnisch scheint es so zu sein. Denn am Vormittag schüttet es wie aus Kübeln, und das am ersten Tag des traditionellen Tennis-Sommercamps des TC Friedberg. Doch schon am Nachmittag hat Jiri Zavadil bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen auf der Terrasse beim Clubheim wieder ein Lächeln auf den Lippen. Kein Wunder, wuseln doch 97 Kinder auf den 16 Freiplätzen des TC Friedberg umher, betreut von 21 Helfern und mit Feuereifer bei der Sache. „In der Halle wäre es schwer gewesen, die alle bei Laune zu halten, jetzt läuft alles bestens“ meint Zavadil.

Am Beispiel des Tenniscamps lässt sich aufzeigen, wie sehr die Jugend dem mittlerweile 47 Jahre alten Jiri Zavadil ans Herz gewachsen ist – und wie sehr er sich in den letzten Jahrzehnten um sie gekümmert hat. Als er das Camp 1997 erstmals angeboten hatte, kamen gerade einmal neun Kinder. Später waren es weit mehr als 100 Kids, sodass in manchen Jahren aufgrund des großen Andrangs zwei Camps abgehalten werden mussten. „Doch es macht einfach mehr Spaß, wenn du ein Camp mit 100 als zwei Camps mit je 50 Kindern durchziehst“, sagt Zavadil.

In Friedberg also boomt Tennis, nicht nur das Camp ist bis auf den letzten Platz ausgebucht, auch die Ferienangebote der Stadt Friedberg waren voll belegt und im Punktspielbetrieb der vergangene Saison stellte der TCF nicht weniger als 19 Mannschaften vom Kleinfeld bis zu den Junioren 18. „Dabei ist es heute allgemein eher schwieriger als früher, die Kinder für Tennis zu interessieren. Früher gab es keine Videospiele, kein Internet, nicht so viele Fun-Sportarten wie heute“, führt Zavadil aus. Doch beim TCF kann man sich nicht beklagen, Nachwuchsmangel kennt man nicht. „Wir bemühen uns ja auch gerade in den Schulen um die Kids, beim Sport nach eins beispielsweise“, so Zavadil. Dass es auch an ihm liegt, das hört der bescheidene, in Prag geborene 47-Jährige nicht so gern.


Doch gerade „sein“ Turnier, der Zavadil-Cup, trug auch dazu bei, seinen Namen weit über die Grenzen Friedbergs hinaus bekannt zu machen. Bei der Premiere 2002 war es ein bescheidenes regionales Turnier, mittlerweile kommen die Top-Jugendlichen aus ganz Deutschland in den Pfingstferien zum TCF.

Seit 1991 wirkt Zavadil, der schon lange die deutsche Staatsbürgerschaft hat, nun beim TC Friedberg – als Spieler, Trainer, Jugendleiter und Sportwart. Brigitte Deiml hatte den damals 20 Jahre alten Zavadil nach Friedberg gelotst, wo er erst noch gegen den damals amtierenden Stadtmeister Ingo Eberle „vorspielen“ musste – und die Vereins-Führung nachhaltig überzeugte. „Ich habe mit den Söhnen derer in der Mannschaft gespielt, mit denen ich hier angefangen habe – und bald könnte ich deren Enkel trainieren“, sagt er und lacht verschmitzt. Dabei hat sich im Tennis viel geändert, das Spiel es ist viel athletischer, schneller geworden, das Material hat sich drastisch verbessert. „Früher hat es für die Bundesliga und kleinere ATP-Turniere gereicht, wenn du auf Sicherheit gespielt hast, heute musst du alles können und unglaublich fit sein“, betont Zavadil. Nichts sei seiner Meinung nach anstrengender, als ein Fünf-Satz-Match auf Sand.

Hat sich im Umgang mit den Kindern auch so viel verändert? Eigentlich nicht, meint er, auch wenn die Kids früher meist noch ein bisschen fitter gewesen wären und noch auf Bäume kletterten oder in jeder freien Minute bolzten. „Du musst die Kinder vielleicht etwas anders behandeln, nicht mehr so streng wie beispielsweise in meiner Jugend – aber anschreien bringt eh nichts“, meint Zavadil, der sich als „kumpelhaft streng“ im Umgang mit seinen Tennisschülern bezeichnet.

Dass er ein Händchen für Talente hat, das hat Jiri Zavadil schon mehrfach bewiesen. Schließlich brachte er Spieler wie David Thurner oder Daniel Baumann hervor, oder hat jetzt so vielversprechende Nachwuchscracks wie Patrick Link oder Samuel Braun unter seinen Fittichen. David Thurner machte sogar international von sich reden. 2007 wurde Thurner beim Orange Bowl, der U16-WM in Florida, Zweiter, er verlor das Finale gegen Grigor Dimitrow. „Und Dimitrow wurde 2017 Weltmeister bei den Herren“, betont Zavadil. Der wünscht sich, dass Tennis noch mehr Aufmerksamkeit bekommt, vor allem auch deshalb, weil es so unglaublich schwer sei, ganz an die Spitze zu kommen. „Welcher Einsatz von klein auf dahinter steckt, das kann man sich kaum vorstellen. Du musst Turnier um Turnier spielen, national erst der Beste deines Jahrgangs, dann der Beste des Landes werden und dann das Ganze international auch noch wiederholen – das schafft einer unter einer Million“, so Jiri Zavadil.

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